Wie schmeckt man heraus welcher Wein im Glas ist?

Gar nicht!

Oh, das klingt nicht nett. Aber es ist leider so. Und vor allem: Darum geht es gar nicht!

Es geht beim Wein trinken schlicht und ergreifend nicht darum, am Wein zu riechen und sofort rauszuhauen, welche Rebsorte das je

tzt ist und woher der Wein kommt. Wenn das einer am Tisch macht, dann ist er entweder sehr mutig oder aber sehr…. unerfahren (ich wollte jetzt nicht “dumm” schreiben). 

Nicht einmal die berühmtesten und bekanntesten Weinprofis der Welt können mit Sicherheit sagen, welchen Wein sie gerade im Glas haben!

Was wir Sommeliers machen, ist folgendes: Wir schließen aus. Man kann, wenn man sich eine Zeit lang mit dem Thema befasst, zum Beispiel heraus schmecken, ob der Wein eher aus einem kühlen oder warmen Gebiet kommt. In einem kühlen Gebiet (z.B. Deutschland) entwickelt sich oft eine hohe Säure, in einem warmen (z.B. Spanien) dagegen eher weniger Säure, dafür aber Aromen wie gekochte Früchte und meist auch mehr Alkohol. Das ist jetzt stark vereinfacht dargestellt, denn es gibt in fast jedem Land wiederum warme und kühle Gebiete. Darauf will ich aber im Moment nicht hinaus.

Ein weiteres Ausschlussverfahren sind die Aromen selbst. Die meisten Sommeliers (und ich auch) gehen beim Verkosten eine virtuelle Liste im Kopf durch. Viele Rebsorten haben ganz signifikante Leitaromen. Ein gerade sehr populäres Beispiel ist der Sauvignon Blanc. Typsich für ihn sind Aromen wie grüne Paprika, Stachelbeere und Gras. Wenn man diese Aromen riecht, kann man schon mal für sich (wirklich nur für sich) einen Tipp abgeben. 

So kann man sich heran tasten. Man kann auch in einer Gruppe von Gleichgesinnten laut rätseln, aber dann muss klar sein, dass jeder nur Vermutungen aufstellt. Es gibt doch nichts Nervigeres, als Leute die ungefragt ihre (falschen) Überzeugungen zu etwas kundtun, das doch einfach nur Spaß machen und schmecken soll, oder?

Fakt ist: Herauszufinden, was man in etwa im Glas hat, braucht viel Übung und Erfahrung, und es ist nicht Ziel des Ganzen! Viel wichtiger ist es, heraus zu finden, ob der Wein, der im Glas ist ein handwerklich gut hergestellter Wein ist und ob er mir schmeckt.

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