Was ist dran an veganen Weinen?

Bzw. was ist drin oder eben auch nicht?

Vegan ist zu einem Lifestyle geworden, der vor allem eines tut: er polarisiert! Kaum einem Trend stehen so viele Halbwissende entgegen wie der veganen Bewegung.

Der mengenmäßige Weinkonsum in Deutschland geht zurück, die Zahlen sind Fakt. Aber das Bewusstsein verändert sich, denn auch Wein wird mehr und mehr zum Lifestyle. Grund für mich, einmal beides in Verbindung miteinander zu setzen – und vor allem neutral zu betrachten.Bei der Herstellung von Wein werden seit jeher tierische Hilfsmittel zum Klären des Saftes verwendet, der ansonsten trüb wäre. An diesem Punkt kommt dann das „Tier“ in den Wein: Durch Gelatine, Eiweiß, Hausenblase (vom Fisch) oder auch durch Kasein aus der Milch. Diese Hilfsstoffe binden die Trübstoffe an sich und werden nach getaner Arbeit wieder entfernt. Um diesen Schritt geht es! Um mehr nicht. Werden im Keller die tierischen Stoffe nun durch pflanzliche ersetzt, wie z.B. durch Erbsenprotein, darf der Wein als vegan bezeichnet werden.

Die Arbeit im Weinberg wird dabei nicht betrachtet. Es können Pferde eingesetzt werden, auch Dung von Tieren natürlich (das wollen wir doch eigentlich auch lieber als chemische Dünger, oder?) und mal ganz nebenbei: Bei einer maschinellen Lese kann kaum verhindert werden, dass einige Bewohner des Weinbergs (und ich rede nicht nur von Insekten) mit in der Presse landen. Das ist der weniger romantische Teil – der vermutlich gerade deshalb nicht beachtet wird.

Das Problem des Ganzen ist: Es gibt für vegane Weine keine einheitliche Gesetzesgrundlage in der EU. Es wird in der Regel nur die Arbeit im Keller betrachtet. Nutzt der Winzer dieses Wissen und verändert diesen Schritt, hat er ein hochwirksames Marketing-Instrument in der Hand bzw. schon bald auf der Flasche: Das vegane Label!

Es sagt aber rein gar nichts über die Weinqualität aus – und ist vor allem auch nicht mit Bio-Qualität gleich zu setzen. Schon gar nicht mit Demeter, was ja prinzipiell ein Ausschlusskriterium für vegane Weine sein müsste – steht dort doch die gesamtheitliche Betrachtung von Mensch und Tier in der Landwirtschaft im Vordergrund.

Die vegane Bewegung finde ich persönlich dennoch mehr als positiv! Ich habe selbst letztes Jahr einmal 7 Monate lang vegan gelebt. Ich kann jedem nur sagen: Es war horizonterweiternd! Ich ziehe den Hut vor jedem dauerhaft vegan lebenden Menschen. Für mich selbst ist es nichts, ich brauche einfach ab und zu ein gutes Stück Fleisch. Aber es hat mein Bewusstsein verändert und mich sehr viel sensibler gemacht.

Worauf ich hinaus möchte: Man sollte nun nicht den veganen Lifestyle belächeln. Die Richtung in die das Ganze geht ist nämlich gut! Er bewegt jetzt schon etwas, wovon wir alle noch profitieren werden.

Fragwürdige Marketing-Strategien sollte man jedoch hinterfragen. Ich halte es für sinnvoller, einen „normalen“ Wein mit einem guten, hochwertigen Fleisch vom Bio-Bauern um die Ecke zu genießen, als veganen Wein mit Tofu-Wurst – und dazu in Lederschuhen statt auf Plastiksandalen durchs Leben zu gehen! Da ist allen mehr geholfen, oder?

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