Warum steht auf jeder Flasche „Enthält Sulfite“?

Kein Wein ohne Sulfite, keine Weinflasche ohne diesen Zusatz auf dem Etikett– was steckt da genau dahinter?

Schwefel – ok, gut, soweit kommt man ja noch mit etwas chemischem Grundverständnis. Aber was macht der im Wein?

Zunächst einmal: Es steht auf dem Etikett, weil es die EU seit 2005 so vorschreibt. Sulfite sind kennzeichnungspflichtig, weil es Menschen gibt, die allergisch darauf reagieren.

Die Sache ist beim Wein allerdings die, dass es keine Weine ohne Sulfite, vereinfacht gesagt ohne Schwefel gibt! Es ist ein Stoff, der schon bei der Gärung auf natürliche Weise entsteht. Es gibt also höchstens schwefelarmen Wein, aber niemals wirklich schwefelfreien Wein.

Der menschliche Körper kommt damit übrigens gut zurecht! Denn auch in unserem Inneren wird bei der Verdauung tagtäglich Schwefel gebildet. Von Geburt an.

Sulfite wirken antimikrobiell und antioxidativ – verhindern bzw. verzögern damit den Verderb des Weines und ermöglichen eine gewisse Haltbarkeit. Sie sind also ein Konservierungsstoff, verhindern das Braunwerden des Weines nach dem Öffnen und auch das Ausbreiten von schädlichen Mikroorganismen. Und ganz nebenbei: schon die alten Griechen verwendeten Schwefel – aus genau demselben Grund. Nur konnten sie es chemisch nicht erklären.

Man verwendet Schwefel also überall da, wo Mikroorganismen nicht wirken sollen. Dabei gilt es natürlich auch, die Grenzmengen, die streng vorgeschrieben sind, einzuhalten und den Einsatz möglichst gering zu halten. Je schlechter die Qualität der Trauben ist, desto mehr Schwefel muss eingesetzt werden. Je besser sie ist, desto weniger. Manche Winzer verzichten gänzlich auf den Einsatz von Schwefel und werben dann auch gerne damit.

Die Werbung wirkt – weil das Wort „Schwefel“ eben auch negativ behaftet ist. Aber dabei darf bitte ein Vergleich genannt sein: In einer Packung Trockenobst steckt locker mal das zehnfache an Sulfiten als in einer ganzen Flasche Wein!

Fazit: Ein Hinweis der draufstehen muss. Allerdings nichts Neues im Wein – und der Alkohol als solcher bleibt meiner Meinung nach der problematischste Stoff der Flasche…

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