Wie lange ist offener Wein haltbar?

Das werde ich sehr oft gefragt. Viel häufiger übrigens als ich es mich selbst frage, da es mich privat eher selten betrifft – um mal eines der Sommelier-Klischees zu erfüllen 😉

Ich habe mich also auf die Suche nach fundierten Aussagen gemacht – und keine einheitlichen gefunden. Erfahrungen in diesem Bereich habe ich dafür jedenfalls reichlich eigene. Eines ist für mich deshalb klar: Die Antwort auf die Haltbarkeit eines Weines im geöffneten Zustand ist ähnlich wie die Antwort auf die Frage Wird Wein besser wenn ich ihn liegen lasse?, über das ich schon einmal geschrieben habe.

Damit ein Wein der Luft und damit der Oxidation standhalten kann, braucht er ein stabiles Gerüst aus Säure, Tanninen, Alkohol oder Extrakt. Ein eher einfacher Wein hat dieses nicht und lebt (kurz) von den oberflächlichen Aromen, die schnell verflogen sind. Hier gilt also, für rot und für weiß: bitte innerhalb von 3-4 Tagen trinken und am besten nach Anbruch gleich verschlossen in den Kühlschrank stellen. Das schadet auch dem einfachen Rotwein nicht, warm wird er im Glas von allein wieder.

Je höher die Qualität des Weines, desto länger hält er sich – auch im geöffneten Zustand, und wieder gilt das für Rot- wie für Weißwein. Viele dieser Weine profitieren sogar vom Luftkontakt, aber in Maßen. Denn unbegrenzt haltbar ist er deswegen trotzdem nicht. Besonders dann nicht, wenn schon einiges an Wein aus der Flasche draußen und somit die Menge an Sauerstoff in der Flasche relativ groß ist. Auch diese Flasche würde ich in den Kühlschrank stellen – schon um ihn vor Licht zu schützen. Nach max. 5-6 Tagen sollte er aber getrunken sein.

Vorsicht übrigens bei gereiften Weinen! Deren Gerüst hat sie vielleicht bis zum heutigen Tage getragen, kann jedoch sehr gebrechlich werden, sobald es mit Sauerstoff in Berührung kommt. Gereifte Weine also bitte nicht mehr als 2 Tage aufbewahren.

Abschließend eines: Unverkennbar ist der Geruch nach Essig in einem Wein, der „drüber“ ist. Dann bitte weg damit. Ist das nicht der Fall, probiert einfach. Vielleicht habe ihr ja ein besonders langlebiges Exemplar im Glas, oder euch gefällt vielleicht auch der leicht oxidative Ton, den der Wein angenommen hat. Hier gilt wie so oft: Gut ist, was (noch) gefällt.

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