Muss es immer Champagner sein?

Bei Champagner denken wir meistens sofort an puren Luxus, an etwas Teures, vielleicht auch an Dekadenz. Kaum ein anderes Produkt in der Weinszene wird meiner Meinung nach so oft so falsch verstanden wie Champagner! Aber auch kaum ein anderes Produkt hat es geschafft, sich über den Kontinent hinaus einen solchen Ruf zu erarbeiten.

Was ist also dran?

Die meisten, die zum ersten mal Champagner probieren sind nämlich enttäuscht! Denn was sie schmecken ist ihnen erstmal fremd. Champagner wird mit der traditionellen Flaschengärung hergestellt und zeichnet sich dadurch aus, dass er noch lange auf der Hefe liegen gelassen wird. (Das gehört zum Herstellungsprozess, bei Gelegenheit kann ich gerne auch mal darüber schreiben.) Die Aromen, die durch das vorgeschriebene Hefelager von mind. 12 Monaten entstehen und welches die meisten Erzeuger deutlich überschreiten, erinnern dadurch an Hefegebäck, Mandeln, Toast und haben manchmal auch etwas herbes, leicht rauchiges. Das ist gewollt und typisch für Champagner – man muss es aber auch erst verstehen, sich drauf einstellen und dann am besten nochmal probieren. Sonst ist die Erwartungshaltung konträr zu dem Erlebten und die Enttäuschung ist vorprogrammiert. Vor allem dann, wenn man dafür etwas tiefer in die Tasche gegriffen hat.

Ein Champagner darf nur in dem kleinen Gebiet „Champagne“ im Norden Frankreichs hergestellt werden, entsprechend gering ist die Menge. Die Bedingungen dort sind ideal für hochwertige Schaumweine, was die Winzer dort schon im 18. Jahrhundert herausfanden. Auf entsprechend lange handwerkliche Erfahrungen blicken viele der Champagnerhäuser zurück.
Das und die hohe Qualität bot eine perfekte Grundlage für ein enorm erfolgreiches Marketing, was den Champagner zu einem Premiumprodukt gemacht hat.

Meines Erachtens sollte man aber stets im Auge behalten, was man da gerade in Begriff ist zu kaufen. Kauft man den Einstiegs-Champagner eines bekannten Hauses kann man schnell genauso viel bezahlen wie für den Top-Champagner eines kleinen Hauses, da man beim Großen oft den Namen mit kauft.  

Mag man dagegen den charakteristisch hefigen Geschmack von Champagner sowieso nicht, kann man problemlos auf einen Prosecco oder auf einen deutschen Winzersekt zurückgreifen, bei denen statt der Hefe- die Fruchtaromen im Vordergrund stehen und die oft auch um einiges günstiger sind, ohne dabei schlechter zu sein. Es muss nicht immer Champagner sein!

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